Zandile Ngono, Partei „Die Urbane“

„Wir führen dieselben Kämpfe wie die HipHop-Bewegung“

Lesezeit:
2 minuten
Datum:
22 September 2021
Themen
Frieden und Demokratie
Gleichstellung / Diversität
Kultur
Soziale Gerechtigkeit
Lesezeit: 2 minuten / Datum: 22 September 2021

Bild: Stefan Weeber

Zandile Ngono kandidiert bei der Partei „Die Urbane“ in Hamburg für die Bundestagswahl. Was hat sie politisiert?

Im Februar 2017 hat sich eine Gruppe von HipHop-Aktivist:innen in Berlin getroffen, um Die Urbane – Eine HipHop Partei zu gründen. Als Teil einer Bewegung, die sich vor allem gegen Rassismus und Diskriminierung stark macht, möchte die junge Partei die Werte und Erfahrungen der HipHop-Subkultur in die politischen Strukturen des Landes tragen. Was treibt eine ihrer Anhänger:innen, Zandile Amy Ngono, an?

„Ich bin uff Schalke geboren, Gelsenkirchen. Und, typisch Ruhrpott, komme ich aus einer deutschen Arbeiterfamilie. Mein Onkel hat unter Tage gearbeitet, eine zeitlang lebten wir von Hartz IV. Später musste ich neben der Schule arbeiten, daher habe ich erst mal das Abi geschmissen. Und da ist noch die andere Seite meiner Familie: Mein Vater ist Südafrikaner, hat gegen die Apartheit gekämpft und erlebt, was es heißt, politisch verfolgt zu werden. Und in Deutschland? Als afrikanisch-deutsche Familie haben wir oft genug Rassismus erfahren, nachdem mein Bruder von Rechtsradikalen brutal zusammengeschlagen wurde, mussten wir Hals über Kopf nach Hamburg umziehen. All das hat mich früh politisiert.

Zandile Amy Ngono

Die 27-Jährige ist Co-Vorsitzende der Urbane in Hamburg. Zentrale Forderungen ihres Landesverbands lauten: Volle Rechte für die LGBTQIA*-Gemeinschaft, Abschaffung von Frontex und Entkriminalisierung der Seenotrettung, mehr Unterstützung für Familien, Kitas und Schulen, Aufklärung des NSU-Terrors.

Die Urbane: Antikolonial und machtkritisch

Für mich ist es keine Option, leise zu sein. Ich will nicht zu denen gehören, die sich beschweren, aber nichts machen. Und um wirklich etwas zu verändern, bleibt nur der Weg über das Parlament. Den Glauben an etablierte Parteien habe ich allerdings verloren. Menschen mit Migrationsgeschichte wird es schwer gemacht; es gibt so viele uneingestandene Mikroaggression. Und ohne Erfahrungen wirst du schnell abgebügelt: Du hast bisher vor allem in der Gastronomie gearbeitet und willst jetzt in die Politik? Verdien’ dir erstmal deine Sporen!

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Jetzt kandidiere ich bei die Urbane, Listenplatz 17 in Hamburg für die Bundestagswahl. Erst dachte ich, eine HipHop-Partei? Im Ernst? Dann habe ich verstanden, dass wir dieselben Kämpfe führen: Wir stehen ehrlich für Empowerment, Antirassismus und den Kampf gegen koloniale Muster, die bis heute fortwirken, von der ,Entwicklungshilfe‘ bis zu unserem Konsumverhalten. Diese Muster prägen uns alle, egal wo wir herkommen, und deshalb müssen wir uns mit ihnen auseinandersetzten. Es sind die Strukturen, die Ungleichheiten und Rassismus zulassen. Mein Ziel: 0,5 Prozent der Stimmen, um sichtbar zu sein – und ein ehrliches Gegengewicht zur AfD.“

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