Wenn in Tschechien bald eine Koalition aus fünf Parteien die Regierungsgeschäfte übernehmen wird, dann ist das auch ein bisschen das Verdienst von Benjamin Roll: Der heute 26-Jährige studiert evangelische Theologie in Prag: „Ohne öffentliches Engagement ergibt mein Glaube keinen Sinn.“
Vor fast vier Jahren hat sich Benjamin Roll als Mitbegründer der Initiative „Eine Million Augenblicke für die Demokratie“ ins Bewusstsein der tschechischen Öffentlichkeit katapultiert. Auslöser war der Wahlsieg des Oligarchen Andrej Babiš im Oktober 2017. „Der hat zu viel in seinen Händen“, meinte Roll damals, missbrauche europäische Gelder und stehe in einem permanenten Interessenkonflikt. Babiš, glaubt Roll bis heute, habe seinen politischen Erfolg vor allem darauf gebaut, dass viele Menschen in Tschechien ein grundlegendes Misstrauen gegen „die da oben“ hegen.
Die daraus erwachsene Politikverdrossenheit habe es Politunternehmer:innen wie Andrej Babiš leicht gemacht. Aber Roll ist entschlossen: „Wir lassen uns den Staat nicht kapern.“ Mit dieser Ansage hat sich die studentische Initiative „Eine Million Augenblicke für die Demokratie“ seitdem zu einer Art außerparlamentarischen Opposition entwickelt, legitimiert durch eine breite gesellschaftliche Unterstützung. Vor zwei Jahren folgten knapp 300.000 Menschen Benjamin Rolls Aufruf und versammelten sich auf der Prager Letná-Ebene zu zwei Massendemonstrationen, den größten seit der Samtenen Revolution, die vor 30 Jahren die Diktatur im Land beendet hatte.

Benjamin Roll will ein Mahner von unten sein
Im Juni 2019 spricht er vor 283.000 Menschen. Diesen Augenblick…
Der tschechische Studierendenführer Benjamin Roll spricht bei einer Großdemo am 21. April 2021 in Prag: „Wir wollen, dass sich hier genug Leute finden, die bereit sind, in ihrem Leben etwas Kleines für die Demokratie zu machen.“